EU-Studie: Pestizide bedrohen Existenz der Bienen

Wissenschaftler der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA haben eine Reihe von Risiken für Bienen identifiziert, die von drei Neonicotinoid-Insektiziden ausgehen. Die Behörde wurde von der Europäischen Kommission mit der Bewertung der Risiken im Zusammenhang mit der Verwendung von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zur Saatgutbehandlung und in Form von Granulat ersucht; dabei lag besonderes Augenmerk auf deren akuten und chronischen Wirkungen im Hinblick auf das Überleben und die Entwicklung von Bienenvölkern, den Auswirkungen auf Bienenlarven und das Bienenverhalten sowie auf den durch subletale Dosen dieser drei Wirkstoffe bedingten Risiken. In einigen Fällen konnte die EFSA aufgrund von mangelnden Informationen die Risikobewertung nicht abschließen.
Die Risikobewertungen konzentrierten sich auf drei wesentliche Bereiche: Rückstände in Nektar und Pollen der Blüten behandelter Pflanzen, Stäube, die bei der Aussaat behandelten Saatguts oder beim Streuen von Granulat entstehen, sowie durch Rückstände in der Guttationsflüssigkeit von behandelten Pflanzen.

In den Fällen, in denen es der EFSA möglich war, die Risikobewertungen abzuschließen, kam sie gemeinsam mit wissenschaftlichen Sachverständigen aus den EU-Mitgliedstaaten für alle drei Wirkstoffe zu folgendem Schluss:

  • Exposition durch Pollen und Nektar: Nur die Verwendung bei Nutzpflanzen, die für Honigbienen uninteressant sind, wurde als akzeptabel erachtet.
  • Exposition durch Stäube: Ein Risiko für Honigbienen bestand bzw. konnte nicht ausgeschlossen werden, mit einigen Ausnahmen, wie bei der Verwendung für Zuckerrüben oder Nutzpflanzen, die in Gewächshäusern angebaut werden, und bei der Verwendung einiger Granulatformen.
  • Exposition durch Guttation: Nur die Risikobewertung für mit Thiamethoxam behandeltem Mais konnte abgeschlossen werden. Hier zeigen Feldstudien eine akute Wirkung auf Honigbienen, die dem Wirkstoff mittels Guttationsflüssigkeit ausgesetzt waren.

Für ihre Schlussfolgerungen haben die Wissenschaftler der EFSA Daten, die in der Vergangenheit zur Zulassung der Wirkstoffe auf EU-Ebene und zur Unterstützung der Produktzulassungen auf mitgliedstaatlicher Ebene eingereicht wurden, sowie einschlägige Literatur und Überwachungsdaten ausgewertet. Ferner berücksichtigten sie neue Entwicklungen bei der Bewertung der von Pflanzenschutzmitteln ausgehenden Risiken für Bestäuber, insbesondere die Empfehlungen des wissenschaftlichen Gutachtens der EFSA vom Mai 2012 über die wissenschaftlichen Grundlagen für die Ausarbeitung eines Leitfadens zur Bewertung der Risiken durch Pflanzenschutzmittel für Bienen.
In diesem vom Gremium für Pflanzenschutzmittel und ihre Rückstände (PPR-Gremium) der EFSA veröffentlichten Gutachten wurde eine wesentlich umfassendere Risikobewertung für Bienen vorgeschlagen sowie striktere Kriterien für die Auslegung von Feldstudien vorgestellt. Die vorgeschlagenen Änderungen sollen Bienen im Rahmen der Bewertung der Risiken durch Pestizide ein höheres Maß an Schutz bieten.

Da ein Großteil der Daten vor der Erstellung des Gutachtens generiert wurde, liefern sie nicht in allen Fällen die notwendigen Informationen. Zudem besteht bei den jüngsten Bewertungen ein hohes Maß an Unsicherheit, da der endgültige Leitfaden zur Bewertung der von Pflanzenschutzmitteln ausgehenden Risiken für Bienen noch in Ausarbeitung ist.

Alle diese Faktoren haben dazu geführt, dass die Wissenschaftler der EFSA die Risikobewertungen für manche der in der EU zugelassenen Verwendungen nicht abschließen konnten; es wurden eine Reihe von Datenlücken festgestellt, die erst geschlossen werden müssen, damit eine weitergehende Bewertung der potenziellen Risiken durch Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam für Bienen möglich ist. Schließlich wird darauf hingewiesen, dass für andere Bestäuber als Honigbienen nur begrenzt Informationen vorlagen; es gilt somit, die Risiken für diese anderen Bestäuber näher zu untersuchen.