Bienengesundheit in Europa

OPERA hat die neueste Auflage des Kompendiums „Bee Health in Europe – Facts & Figures 2013“ vorgestellt. Es bietet Daten, Analysen und Theorien darüber, wie die Gesundheit der Bienen beeinflusst wird und wie sich die Pflege von Bienenvölkern verbessern lässt. Der OPERA-Report beschreibt aber auch den aktuellen Status der Bienenvölker in Europa. Außerdem liefert er Erklärungsansätze und gibt Empfehlungen zur Verbesserung der Situation auf politischer Ebene.

Betrachtet man die erhobenen Daten isoliert, entsteht der Eindruck, die Honigbiene sei kurz vor dem Aussterben. Das ist definitiv nicht der Fall. In den meisten Ländern ist laut Statistik kein Rückgang der bestehenden Völker zu verzeichnen. Ein Rückgang der Bienenstöcke ist nur in einigen Ländern zu beobachten, was manchmal mit der einfachen Tatsache begründet werden kann, dass es dort immer weniger Imker gibt. In Deutschland wächst die Zahl der Bienenvölker seit geraumer Zeit. Hier sind vor allem die so genannten Winterverluste zu beobachten. Das Ausmaß ändert sich jedoch von Jahr zu Jahr und die meisten Forscher stimmen darin überein, dass dieses Phänomen nicht monokausal begründbar sind. Vielmehr liegt eine Vielzahl sich gegenseitig beeinflussender Faktoren zugrunde. Dennoch wird immer wieder vor allem eine überragende Ursache genannt: Varroa destructor, eine parasitäre Milbe, die in fast jedem Bienenvolk zu finden ist. Das „Deutsche Bienenmonitoring“ hat gezeigt, dass der Rückgang der Honigbiene sehr stark mit dem Befall der Varroa korreliert – ein Rückschluss, der in ähnlicher Weise bereits in der Sonderausgabe des Journal of Apicultural Research gezogen wurde.

OPERA ist der intensiven Agrarwirtschaft verpflichtet

Bei OPERA handelt es sich um ein Forschungszentrum und Think Tank der Università Cattolica des Sacro Cuore (Italien). Es will einfache, pragmatische Lösungen bereitstellt, um EU-weite wie auch nationale Entscheidungsfindung zu unterstützen. Das Forschungzentrum will geeignete Ansätze für eine nachhaltige, intensive Agrarwirtschaft diskutieren.

„Verglichen mit der gemeldeten Zahl an Verlusten von Bienenvölkern ist die Zahl der Fälle, die mit dem Einsatz von Pestiziden zusammenhängen, verhältnismäßig gering – und das obwohl es viele intensive, emotionale Diskussionen hinsichtlich der Auswirkungen von Pestiziden auf Bienen sowie die Möglichkeit von Verbesserungen von Risikoabwägung und Risikominimierung gibt. Da der Umfang des OPERA-Berichts eine ausgeglichene Übersicht über Einflussfaktoren auf die Bienengesundheit ist, werden auch die Rollen und Aktivitäten von verschiedenen internationalen Institutionen beschrieben, die sich mit dem Thema Pestizide auseinandersetzen. Es handelt sich hierbei zwar um ein wichtiges Thema, aber nur um einen Aspekt, der die Gesundheit von Bienen beeinträchtigen könnte, weswegen ein umfassender Blick auf alle verschiedenen Faktoren notwendig ist. So konnten Forscher auch Umwelteinflüsse wie Habitatverlust, rückläufige Biodiversität und unzureichende Mengen qualitativ hochwertigen Nektars sowie Pollen als Faktoren identifizieren, die die Gesundheit von Bienen beeinträchtigen“, so Jens Pistorius.

Imker und Politik müssen an einem Strang ziehen

Jens Pistorius, Head of Bee Risk Assessment beim Julius Kühn-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Deutschland, sagt: „Bienengesundheit wird von vielen externen Faktoren beeinflusst, zum Beispiel Verfügbarkeit des Nektars und der Pollen während der Saison, Krankheitsbelastung, der imkerlichen Betriebsweise, der richtigen Behandlung von Bienenkrankheiten und Anwendung von Pflanzenschutz in der Landwirtschaft. Die Forschergemeinde kommt zu den Ergebnissen, dass weitere Maßnahmen notwendig sind, um die Bienengesundheit zu erhalten und zu verbessern sowie Bienen- und Pflanzenvielfalt, den Bestäubungsprozess, die Funktionen des Ökosystems und profitable Bienenhaltung zu fördern. Nationale und internationale politische Entscheidungsträger und alle interessierten Parteien müssen mit den Forschungsergebnissen über die Faktoren vertraut gemacht werden, die die Bienengesundheit beeinflussen, und die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen anerkennen. Gemeinsame Bemühungen müssen unternommen werden und müssen Imker, Bauern, relevante Organisationen, Forscher, Institutionen und politische Entscheidungsträger involvieren, um Forschungsergebnisse effektiv zu kommunizieren und die Umsetzung von entsprechenden Maßnahmen auf imkerlicher bis zur politischen Ebene.“

„Allein in der EU wird der wirtschaftliche Wert der Befruchtung durch Insekten auf insgesamt 15 Milliarden Euro geschätzt”, ergänzt Alexandru Marchis, Koordinator des Policy Teams am OPERA Forschungscenter. „Die Politik ist nun bemüht, möglichst schnell zu reagieren, aber wir müssen die richtigen Prioritäten setzen, um sicherzustellen, dass die Bienengesundheit wirklich verbessert wird. Spätestens bis 2020 soll der Verlust an Biodiversität aufgehalten werden – davon profitieren sowohl Wild- als auch Honigbienen. Dieses Ziel gehört zu den wichtigsten der Europäischen Kommission.“

Weitere Informationen: operaresearch.eu